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Geschichte des Turmes

Unmittelbar nach der Zerstörung der „alten“ Kirche von 1610 durch das Großfeuer vom September 1634 begannen die Bemühungen um einen Wiederaufbau. Für den Bau des eigentlichen Kirchengebäudes und dessen Finanzierung war die Stadt zuständig. Diese war jedoch durch die Verpflichtung, die Vielzahl der anderen zerstörten öffentlichen Gebäude neu zu errichten, derart belastet, dass sie zunächst noch nicht in der Lage war, Mittel für den Kirchenbau bereitzustellen.
Für den Glockenturm indessen lag die Situation anders. Dort war die „Uhr“ der Bergleute, durch das „Anläuten“ mit einer Schlagglocke wurden die zeitlichen Abläufe des gesamten Bergwerksbetriebes zentral geregelt. Der Glockenturm war also auch für einen geordneten Betriebsablauf erforderlich, und die Bergbehörde, die auch die Kosten seines Wiederaufbaus zu tragen hatte, war deshalb dringend an einer möglichst schnellen Wiederherstellung interessiert. So konnte die Finanzierung schon bald sichergestellt werden, und bereits 1635/1636 wurde der Bau beschlossen und mit den ersten Maßnahmen begonnen.
Noch 1636 wurden die Trümmer der beim Brand zerstörten Kirchenglocken nach Einbeck transportiert und dort zu zwei neuen Glocken umgegossen. Außerdem wurde die Beschaffung der Materialien für Fundament, Bleibedachung und Außenbeschlag eingeleitet, denn für die benötigten Mengen waren genaue Vorbereitungen erforderlich.
Im Dezember wurde Bauholz gefällt und von den Zimmerleuten noch im Wald mit Spezialbeilen zu Vierkanthölzern verarbeitet, um dann auf den Zimmerplatz transportiert zu werden.
Zu jedem Zimmerplatz gehört ein „Reißboden“, das ist eine ebene Fläche, die so groß sein muss, dass alle Elemente des neuen Gebäudes, wie z.B. die Wände, die Gebinde für das Dach u.s.w. in Originalgröße „aufgerissen“ (d.h. aufgezeichnet) werden können. Ob, um die damals horrenden Transportkosten möglichst niedrig zu halten, für den Kirchenbau – wie allgemein üblich – ein Reißboden in der Nähe des Bauplatzes vorgerichtet wurde oder ob man auf einen der für die Herstellung der Kunsträder vorhandenen Reißböden zurückgriff, ist nicht bekannt.
Im Frühjahr 1637 wurde dann mit Beginn der Bausaison zügig die eigentliche Errichtung des Turmes ins Werk gesetzt und bereits am 12. September mit dem feierlichen Aufsetzen von Knauf und Wetterfahne beendet. 1639 werden in Einbeck zur Komplettierung des Geläutes zwei neue Glocken gegossen.
Der Glockenstuhl für das Geläute im Inneren des Turmes bildete ursprünglich auf einem eigenen Fundament eine selbständige Konstruktion, die keinerlei Verbindung zum Fachwerkgerüst des Turmes aufwies. Auf diese Weise wurde die Übertragung der beim Läuten auftretenden Schwingungen auf Turm und Kirchengebäude wirksam verhindert. Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt im 19. Jahrhundert wurde der Glockenstuhl im Inneren des Turmes mit zusätzlichen Balken verstärkt und durch Schraubbolzen mit dem Fachwerkgerüst des Turmes verbunden. Diese gut gemeinte „Sicherungsmaßnahme“ bewirkte jedoch, dass seither bei jedem Läuten Turm und Kirchengebäude in heftige Schwingungen gerieten.
Die durch Beschuss im April 1945 verursachten Kriegsschäden in der Bleibedachung waren 1952 noch nicht beseitigt. Bei der Erneuerung der Bleibedachung 1965 nach den damals gültigen (unzureichenden) Ausführungsregeln zeigte sich anhand der erforderlichen Neuausrichtung der lotrecht montierten Fahnenstange, dass die Neigung des Turmes bereits zu diesem Zeitpunkt eingesetzt hatte.